Archive for February, 2008
vom Balkon
February 20, 2008Ankunft in Delhi, 7 Uhr morgens, zwei Stunden Verspätung, erzürnte Passagiere
February 20, 2008
Mein taxi driver wartet ebenfalls die zwei morgendlichen Stunden und steht beim Empfang bereit. Ein Augenkontakt genügt und wir begeben uns Richtung Ausgang. Eine rauchschwadenähnliche Wolke zieht an uns vorbei. Der Geruch erinnert mich an verbranntem Müll. Draußen stelle ich mir ein kleines Feuer vor, an dem die Leute ihren Abfall reinwerfen.
Ich frage den Taxler: „What’s burning outside?“
Suman antwortete mit gebrochenem Englisch: “It is fog.”
Er hat meine Frage nicht verstanden. Hab ich sie nicht deutlich genug gestellt? Ach, ich bin zu müde, um noch mal zu fragen. Wir steigen ins Auto und ein Sikh fährt uns ins Hotel. Es ist tatsächlich sehr neblig und feucht draußen. Die offenen Fenster tragen frische Luft ins Auto. Den Geruch am Flughafen habe ich bereits schon wieder vergessen. Doch als wir aussteigen und zum Hotel gehen, erinnert sich meine Nase immer wieder an den Geruch am Flughafen. Es ist weder der Nebel noch ein Feuer – es ist Delhi.
Einer der Träume in der ersten Nacht in Majnuka Tilla – tibetisches Zentrum in Delhi
Die Tibeter feiern ihr Neujahr 2016 – das Jahr der Maus. Sie nennen es Lhosa: „lho“ für Jahr, „sa“ für neu. Neben den bellenden Hunden und den hupenden Autos sorgen Feuerwehrkörper für höllischen Lärm. Eines der fünf Fenster im Zimmer wurde so gebaut, dass es sich nicht schließen lässt. Bei der dürftigen Isolierung macht das wahrscheinlich keinen bedeutenden Unterschied. Manchmal bin ich mir nicht mal sicher, ob der Kracher jetzt im Haus oder vor der Tür abgefeuert wurde.
Die Explosionen lassen langsam nach, bis es auf einmal ganz still wird. Doch auf einmal fängt es das Ganze wieder an und der Rauch zieht in mein Zimmer. Unter tags spürte ich schon, wie die Delhiluft meine Atmung erschwerte. In diesem Augenblick aber, bekomme ich plötzlich gar keine Luft mehr. Der Rauch hat sich inzwischen dicht in meinem Zimmer angesammelt. Ich liege bewegungslos da, mein Körper fühlt sich schwer an. Ich huste kurz und reiße endlich meine Augen auf. Für eine kurze Zeit bilde ich mir noch den Rauch im dunklen Zimmer ein. Ich stütze mich hoch, lasse mich aber bald wieder ins Bett fallen und schlaf in den nächsten Traum: ein Straßenhund, der seine Zähne an meiner Hüfte ansetzt und zubeißt, sobald ich mich versuche wegzubewegen.
Das Glückliche an der Geschichte ist: Träume sind reine Fantasie
Das Traurige: die Straßen von Delhi Realität.
Auf new years eve folgt der Neujahrestag: 07:30 Frühstück. Ab Nachmittag „celebration“.
Momentane Uhrzeit: 04:45; die Hunde bellen…
Celebration? Alles was sie tun ist „gambling“. Und nicht mal die Bezeichnung gambling hat es verdient mit der geringen Wahrscheinlichkeit einen Gewinn zu machen. Einer hat es richtig beschrieben mit: „it’s no gambling, it’s donation.”
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Tibetische Kinder werfen einen Luftballon in die Höhe und lassen ihn herunter schweben. Die tibetischen Männer und Frauen genießen die Freiheit.
„Tibet is not free“, „Freedom for Tibet“, “Free Tibet”
http://www.youtube.com/watch?v=hKcRTfpogAM
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Nach zwei Tagen Delhi bin ich froh endlich nach Dharamsala gehen zu können. Nicht die Armut und der Gestank sind für mich das frustrierende an Delhi, sondern dass sich niemand dieselben Fragen stellt wie ich – geschweige die Antworten darauf hat.
